Das Zitat ist im allgemeinen nicht neu, war mir bislang aber nicht bekannt, und ich fand es ganz amüsant: „Ohrlöffel der Matronen“, so wird Papst Damasus (366–384) von einem seiner Gegner genannt:
quem in tantum matronae diligebant, ut matronarum auriscalpius diceretur (übersetzt: „den [i. e. Damasus] die Matronen so sehr liebten, daß man ihn Ohrlöffel der Matronen nannte“)
[1].
Nach dem Tod Papst Liberius’ im Jahre 366 kam es zwischen dem genannten Damasus und seinem Rivalen Ursinus zu heftigen Kämpfen um die Nachfolge auf dem Stuhl Petri, die Damasus schließlich für sich entscheiden konnte. Das Zitat stammt aus dem ersten Dokument der sogenannten Collectio Avellana, einer Sammlung von Papstbriefen (4.–6. Jh.), die ihren Namen einer Handschrift aus dem umbrischen Kloster S. Croce in Fonte Avellana bei Gubbio verdankt.
[2] Es wurde von einem Anhänger des Ursinus verfaßt und entstand möglicherweise im Zusammenhang mit einem Prozeß, der nach seinem Amtsantritt gegen Damasus geführt wurde.
Wie auch Hieronymus unterhielt Damasus gute Beziehungen zu den christlichen Damen der römischen Aristokratie. Worauf sich die Bezeichnung „Ohrlöffel der Matronen“ genau bezieht, ist nicht klar. Stefan Rebenich vermutet in seiner aufschlußreichen und gut lesbaren Dissertation, „daß hiermit auf sexuelle Verfehlungen des Bischofs angespielt wurde“ oder „daß man seinen Versuch, aus dem Umgang mit den
matronae finanziellen Vorteil zu ziehen geißeln wollte“
[3].
[1] Collectio Avellana I 9, ed. Otto Günther (CSEL 35, 1, Prag/Wien/Leipzig 1895) 4.
[2] Karl Suso Frank, Collectio Avellana, in: LexMA 3 (1986) 36.
[3] Stefan Rebenich, Hieronymus und sein Kreis. Prosopographische und sozialgeschichtliche Untersuchungen (Historia Einzelschriften 72, Stuttgart 1992) hier 159 f., zu Damasus und Ursinus 64.
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