Ludwig Bethmann in LeidenWednesday, 9. August 2006
Auf meiner Suche nach Handschriften mit den Texten des Auxilius und des Vulgarius habe ich heute mal wieder in den Reiseberichten der Mitglieder der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde gelesen, die immer sehr unterhaltsam sind.
So schreibt Ludwig Bethmann über seinen Aufenthalt in Leiden 1839: „Die acht Wochen meines Aufenthalts in Leiden (14. Aug. – 18. Sept. und 4 – 27. Nov.) gehören mir durch die reiche Ausbeute aus den Schätzen der Universität und durch die Freundschaft des gelehrten und geistreichen Bibliothekars, Herrn Prof. Gell, zu den angenehmsten Zeiten meiner ganzen Reise. Es scheint der ganzen Musenstadt etwas inzuwohnen, wie ein Klima der Studien, das dort mehr als anderswo zum Arbeiten einlädt; so besonders in dem einfachen Arbeitszimmer der Bibliothek, nur durch die Bildnisse der großen Gelehrten Leidens geschmückt, aber den größten Schatz der Bibliothek enthaltend, die Handschriften. In ihnen besitzt Leiden nicht bloß für den Orient, Griechenland und Rom, sondern eben so sehr für das Mittelalter, eine Sammlung, die an Werth seinen naturhistorischen und ägyptischen Museen nicht nachsteht, und wie diese, den bedeutendsten Europas an die Seite tritt. Da sie nicht aus Klosterbibliotheken entstanden ist, so enthält sie nur sehr wenig von dem theologischen fond de boutique; ihre Sammler sahen fast durchweg auf den Werth der Handschriften. Diese stammen aus den verschiedensten Gegenden, besonders Frankreichs; hier sind Handschriften aus Corby, Limoges, Dijon, Rheims, Lüttich, Afflighem, Wiblingen, Werden; aus der Sammlung der Königin Christina; das Psalterium, woraus Ludwig der Heilige lesen lernte, u. a. Groß ist die Zahl der sehr alten; ein Bruchstück von der ältesten aller bekannten Handschriften Gregors von Tours aus dem siebenten Jahrhundert entdeckte ich als Bücherdeckel, freilich nur einige Blätter, aber von höchstem Werthe, weil sie beweisen, daß gerade diese älteste Handschrift die Capitel enthielt, die als untergeschoben angefochten sind, weil sie sich in keiner der ältesten Handschriften fanden. Noch fand ich hier eine Handschrift der Gesta Trevirorum, die des Lipsius vom Sigebert, eine Geschichte von den Kriegen der Bischöfe von Utrecht 1138–1223, und unbekannte Briefe und Formeln; benutzte außerdem die Handschriften Gregors, Prospers, Paulus Diakonus, Sigeberts, der markulfischen Formeln, der Papstgeschichte, Gerberts, Auxilius de Formosiana calamitate, Rotgers encyclica, die traditiones Werthinenses u. a., und untersuchte alle Handschriften, wobei Geels Gefälligkeit mir alle nur erwünschte Förderung zu Theil werden ließ. — Die Bibliothek der Gesellschaft für niederländische Sprache und Literatur eröffnete mir, auf Herrn Staatsraths Groen van Prinsterer zuvorkommende Empfehlung, der sehr gefällige Herr Bodel-Nieuwenhuys; sehr reich für jene Litteratur, enthielt sie für meine Zwecke gar nichts. — Auch die Herren Professoren Thorbeke, Bake und Dr. Jansen bewiesen mir viele Freundlichkeit, besonders auch Herr Professor Tydemann; unaufgefordert gab mir der freundliche Mann für alle Städte des Landes, wohin ich gehen wollte, eine Menge Empfehlungen, die mir überall die freundlichste Aufnahme bereitet haben; und das that er mit rechtem Vergnügen, und um, wie er sagte, die Gastfreundschaft zu vergelten, die er einst in Deutschland genossen.“ Ludwig Bethmann, Reise durch die Niederlande, Belgien und Frankreich, vom Junius 1839 bis September 1841, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 8 (1843) 25–101, hier 30 f. MißverstandenMonday, 7. August 2006[Ein genialer Tipp von Clemens] Das FrühmittelalterSaturday, 5. August 2006
„ … und mit den Kreuzzügen beginnt das Mittelalter.“
So lautete der Schlußsatz des Berichtes über die derzeitige Canossa-Ausstellung in Paderborn, der am 27. Juli in der Sendung west.art ausgestrahlt wurde. Ich bin beim Durchschalten darüber gestolpert und war doch sehr verwundert. Aber auch das Anschauen der Wiederholung hat ergeben, daß der Satz offensichtlich so gemeint war, wie er gesagt wurde. Sowas ... Ist denn das Frühmittelalter kein Mittelalter? Ein Dachs in der BibliothekWednesday, 2. August 2006
Was will ein Dachs in der Bibliothek? – Ich weiß es nicht, aber wie heute im Schwäbischen Tagblatt zu lesen ist, hatte die UB Tübingen gestern morgen Besuch von einem Dachs. Der war offensichtlich kurz vor 8 Uhr zielstrebig durch die offene Hintertür in die Bibliothek gewandert.
Sein Interesse an den Büchern war anscheinend so groß, daß es erst nach etlichen Versuchen gelang, ihn zu betäuben und abzutransportieren. „Welche Lektüre er dort suchte, blieb den UB-Mitarbeitern verborgen, da diese aus Vorsicht angehalten wurden, das Dachs-Bücherrevier zu meiden.“ StöckchenTuesday, 1. August 2006
Eigentlich hasse ich ja Kettenbriefe, aber da Larissa, der ich dieses Stöckchen verdanke, sich etwas Persönliches in meinem Blog gewünscht hat, will ich versuchen, die Fragen zu beantworten:
Warum bloggst Du? Das Medium „Blog“ habe ich bei einem Blick über Clemens’ Schulter entdeckt. Es erschien mir als geeignetes Mittel, meine Netz- und sonstigen Fundstücke und Gedanken übersichtlich zu organisieren. Seit wann bloggst Du? Mein erster Eintrag stammt vom 16. Januar 2004 – damals habe ich ihn noch mit einem selbstgebastelten System veröffentlicht. Seit dem 19. April 2005 benutze ich ein echtes Blogsystem (Serendipity). Selbstportrait? Warum lesen Leser Dein Blog? Ich habe noch keinen gefragt. Welches war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf Deine Seite kam? „sozialversicherungsausweis+beantragen“. Meiner ist übrigens immer noch nicht in Papierform angekommen. Aber es scheint auch so zu funktionieren. Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zuwenig Aufmerksamkeit? Öhm, darüber habe ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Dein aktuelles Lieblingsblog? Schwer zu sagen, denn die Liste der Blogs, die ich regelmäßig lese, ist lang ... An welche vier Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum? 1. Rotula, um Clemens daran zu erinnern, daß er versprochen hat, wieder zu bloggen. 2. Christoph, weil er gerade angefangen hat, wieder regelmäßig zu bloggen. 3. Claudia, damit ich das Stöckchen auch an einen Blog weiterreiche, in dem es um Kinder geht. Schließlich kommt er ja auch von eben so einem. 4. Ich verteile nur drei Stöckchen. Aus Protest gegen Kettenbriefe.
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