Auf meiner Suche nach Handschriften mit den Texten des Auxilius und des Vulgarius habe ich heute mal wieder in den Reiseberichten der Mitglieder der
Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde gelesen, die immer sehr unterhaltsam sind.
So schreibt Ludwig Bethmann über seinen Aufenthalt in Leiden 1839:
„Die acht Wochen meines Aufenthalts in Leiden (14. Aug. – 18. Sept. und 4 – 27. Nov.) gehören mir durch die reiche Ausbeute aus den Schätzen der Universität und durch die Freundschaft des gelehrten und geistreichen Bibliothekars, Herrn Prof. Gell, zu den angenehmsten Zeiten meiner ganzen Reise. Es scheint der ganzen Musenstadt etwas inzuwohnen, wie ein Klima der Studien, das dort mehr als anderswo zum Arbeiten einlädt; so besonders in dem einfachen Arbeitszimmer der Bibliothek, nur durch die Bildnisse der großen Gelehrten Leidens geschmückt, aber den größten Schatz der Bibliothek enthaltend, die Handschriften. In ihnen besitzt Leiden nicht bloß für den Orient, Griechenland und Rom, sondern eben so sehr für das Mittelalter, eine Sammlung, die an Werth seinen naturhistorischen und ägyptischen Museen nicht nachsteht, und wie diese, den bedeutendsten Europas an die Seite tritt. Da sie nicht aus Klosterbibliotheken entstanden ist, so enthält sie nur sehr wenig von dem theologischen fond de boutique; ihre Sammler sahen fast durchweg auf den Werth der Handschriften. Diese stammen aus den verschiedensten Gegenden, besonders Frankreichs; hier sind Handschriften aus Corby, Limoges, Dijon, Rheims, Lüttich, Afflighem, Wiblingen, Werden; aus der Sammlung der Königin Christina; das Psalterium, woraus Ludwig der Heilige lesen lernte, u. a. Groß ist die Zahl der sehr alten; ein Bruchstück von der ältesten aller bekannten Handschriften Gregors von Tours aus dem siebenten Jahrhundert entdeckte ich als Bücherdeckel, freilich nur einige Blätter, aber von höchstem Werthe, weil sie beweisen, daß gerade diese älteste Handschrift die Capitel enthielt, die als untergeschoben angefochten sind, weil sie sich in keiner der ältesten Handschriften fanden. Noch fand ich hier eine Handschrift der
Gesta Trevirorum, die des Lipsius vom Sigebert, eine Geschichte von den Kriegen der Bischöfe von Utrecht 1138–1223, und unbekannte Briefe und Formeln; benutzte außerdem die Handschriften Gregors, Prospers, Paulus Diakonus, Sigeberts, der markulfischen Formeln, der Papstgeschichte, Gerberts, Auxilius
de Formosiana calamitate, Rotgers
encyclica, die
traditiones Werthinenses u. a., und untersuchte alle Handschriften, wobei Geels Gefälligkeit mir alle nur erwünschte Förderung zu Theil werden ließ.
— Die Bibliothek der Gesellschaft für niederländische Sprache und Literatur eröffnete mir, auf Herrn Staatsraths Groen van Prinsterer zuvorkommende Empfehlung, der sehr gefällige Herr Bodel-Nieuwenhuys; sehr reich für jene Litteratur, enthielt sie für meine Zwecke gar nichts.
— Auch die Herren Professoren Thorbeke, Bake und Dr. Jansen bewiesen mir viele Freundlichkeit, besonders auch Herr Professor Tydemann; unaufgefordert gab mir der freundliche Mann für alle Städte des Landes, wohin ich gehen wollte, eine Menge Empfehlungen, die mir überall die freundlichste Aufnahme bereitet haben; und das that er mit rechtem Vergnügen, und um, wie er sagte, die Gastfreundschaft zu vergelten, die er einst in Deutschland genossen.“
Ludwig Bethmann, Reise durch die Niederlande, Belgien und Frankreich, vom Junius 1839 bis September 1841, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 8 (1843) 25–101, hier 30 f.
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