Die Grablegen der PäpsteThursday, 28. April 2005
Auf der Suche nach Papstgrablegen bin ich auf einige Publikationen gestoßen:
BORGOLTE, Michael, Petrusnachfolge und Kaiserimitation. Die Grablegen der Päpste, ihre Genese und Traditionsbildung (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 95) Göttingen 1989 DERS., Papstgräber als "Gedächtnisorte" der Kirche, in: HJb 112 (1992) S. 305–323 PICARD, Jean-Charles, Etude sur l'emplacement des tombes des papes du IIIe au Xe siècle, in: Mélanges d'archéologie et d'histoire 81 (1969) S. 725–782 Borgolte zählt 261 Gräber legitimer Päpste (an Gegenpäpsten werden 37 verzeichnet, nur 13 Gräber sind überhaupt bekannt) von Petrus bis Johannes Paul I. (Borgolte, Petrusnachfolge S. 309). 91 Gräber sind erhalten geblieben, diese finden sich in 16 römischen Kirchen, 15 italienischen Orten, in Frankreich und Deutschland (ebd., S. 131 f.). Von den 91 Gräber stammen 60 aus der Zeit seit dem 15. Jh. Insgesamt sind 3 traditionsbildende Grablegen entstanden: die Calixtus-Katakombe mit der Papstgruft, die Grablege beim Petrusheiligtum im Vatikan und die Grablege beim Lateran (Borgolte, Papstgräber S. 335) Borgolte schreibt weiterhin ausführlich über die Wahl und Erhaltung der Orte Papstgräber sowie über die Gruppen, die dafür zuständig waren. Mosaiken aus Ravenna in FreiburgTuesday, 26. April 2005
In der UB Freiburg werden seit dem 19. April und noch bis zum 07. Juni 2005 berühmte Mosaiken aus Ravenna ausgestellt. Gezeigt werden maßstabsgetreue Kopien der Mosaiken. Während die Mosaiken an den Originalplätzen nur aus großer Distanz betrachtet werden können, hat der Besucher hier die Gelegenheit, die Motive aus nächster Nähe anzusehen. (AO)
2006-03-13: Der Link zur UB Freiburg war fehlerhaft. Inaugurationsmesse onlineMonday, 25. April 2005
Als Antwort auf die Kommentare von Clemens und Wolfgang: Gerade habe ich die Texte der gestrigen Amtseinführungsmesse online gefunden. Sehr interessant sind die beigefügten Erklärungen des Ritus. Die einführenden Bemerkungen und die Übersetzungen der lateinischen Texte sind allerdings leider auf Italienisch, eine englische oder deutsche Version habe ich nicht gefunden.
Online nachzulesen gibt es auch das Requiem für Papst Johannes Paul II., ebenfalls auf Italienisch. Zu finden sind dort auch die Teile des Begräbnisses, die nicht im Fernsehen zu sehen waren, nämlich die Schließung des Sarges und die eigentliche Bestattung in den Grotten des Petersdoms. Illustriert ist der Text des Requiems mit Miniaturen aus der Handschrift Vat. Reg. lat. 99. Schott onlineSunday, 24. April 2005
Sehr praktisch: Das Schott-Meßbuch gibt es online auf den Seiten des Benediktinerklosters Beuron.
Danke an Clemens Radl für den Hinweis! Amtseinfuehrung Benedikts XVI.Sunday, 24. April 2005
Seit heute morgen ist Papst Benedikt XVI. nach dem Empfang der Insignien offiziell in Amt und Würden. Auf die Insignien ist er auch in seiner Predigt eingegangen, die es wieder zum Nachlesen auf den Seiten des Vatikan gibt.
Interessant für Mittelalter-Historiker zum Weiterlesen (LexMA 6, s. v. Pallium): ENGELS, Odilo, Der Pontifikatsantritt und seine Zeichen, in: Segni e riti nella chiesa altomedievale occidentale. 11–17 aprile 1985 (Settimane di Studio del Centro Italiano di Studi sull'Alto Medioevo ; 33) Spoleto 1987 S. 707–766. ZOTZ, Thomas, Pallium et alia quaedam archiepiscopatus insignia. Zum Beziehungsgefüge und zu Rangfragen der Reichskirchen im Spiegel der päpstlichen Privilegierung des 10. und 11. Jahrhunderts, in: Helmut MAURER und Hans PATZE (Hgg.), Fs. für Berent Schwineköper zu seinem siebzigsten Geburtstag, Sigmaringen 1982 S. 155–175. Zur Namenswahl der Päpste Teil 1Thursday, 21. April 2005
Wie ich gesehen habe, ist der Figaro-Artikel "Le nouvel élu devra changer de prénom" (Le Figaro, 05. 04. 2005), auf den ich am 07. April verlinkt habe, nicht mehr kostenlos online zugänglich. Deshalb eine kurze Zusammenfassung:
Anhand einiger Anekdoten beleuchtet der Autor der Artikels (Hervé Yannou) die Hintergründe der Namensänderung des Papstes. Er weist zunächst darauf hin, daß bereits der erste "Papst", Petrus, einen anderen Namen annahm (vgl. Mt 16, 18). Der Namenswechsel entspräche als Neubeginn dem Ritus der Taufe. Von den 264 offiziellen Päpsten hätten 129 nach ihrer Wahl den Namen geändert, angefangen 955 mit Johannes XII. Ausnahmen seien seitdem nur Hadrian VI. (1522-1523) und Marcellus II. (1555) gewesen. Der Name Petrus sei stets als möglicher Name ausgeschlossen worden, diese Regel habe seit Johannes XIV. (983) jeder Papst befolgt, dessen bürgerlicher Name Peter etc. gewesen sei. Der erste Papst mit einem Doppelnamen sei 1978 Johannes Paul I. gewesen, der damit der Konzilsarbeit seiner Vorgänger seiner Referenz erweisen wollte (sein Nachfolger Johannes Paul II. hat es ihm nachgemacht). Häufig werde der Name des Vorgängers angenommen, so hätten von den elf Päpsten der Jahre 1775 bis 1958 sieben Pius geheißen ("papauté des Pie"). Kardinal Montini (Paul VI.) habe den Namen Paul gewählt und nicht Johannes XXIV., da er mit Vornamen bereits Giovanni Battista geheißen habe. Angelo Roncalli (Johannes XXIII.) habe laut Yannou mit seiner Namenswahl den Gegenpapst Johannes XXIII. (1360-1419) seines Namens beraubt und am Tag nach seiner Krönung seinen Freunden eine Postkarte mit einem Bild des Grabes seines gleichnamigen Vorgängers geschickt. Dieser kurze Artikel hat mich dazu bewogen, mich noch weiter mit den Papstnamen zu beschäftigen. Fortsetzung folgt also. Es sei aber schon jetzt gesagt, daß der erste Papst, der seinen Namen änderte, nicht Papst Johannes XII., sondern Papst Johannes II. (532-535) war, der vorher Mercurius hieß und einen den Namen eines heidnischen Gottes für unwürdig hielt (vgl. z. B. Zimmermann, Harald, Das Papsttum im Mittelalter. Eine Papstgeschichte im Spiegel der Historiographie, Stuttgart 1981 S. 31). Formosus bei Spiegel OnlineWednesday, 20. April 2005
Der Spiegel nimmt die Wahl des neuen Papstes zum Anlaß, einiges aus dem "Skurrilitätenkabinett Vatikan" zu berichten. Sehr unterhaltsam. Mit dabei natürlich die üblichen Verdächtigen: die konstantinische Schenkung, die Päpstin Johanna und - wer hätte es gedacht? - der gute Formosus.
Hier ein paar Daten zu Papst Formosus, angereichert mit den entsprechenden Quellenstellen: Lebensdaten: geb. um 816 möglicherweise in Rom (Lt. Auxilius, Super causa et negotio Formosi papae, MPL 129, Sp. 1109 stirbt er octogenarius). Die Invectiva in Romam weist auf eine römische Herkunft hin: patronum tuum Formosum papam in tuo ab ipsis cunabulis educatum gremio ... quem ab infantia lacte nutristi, cibo solido pauisti, litteris imbuisti ... (Dümmler, Gesta Berengarii, S. 138 f.) gest. am 04. April 896 (Ann. Fuld. zu 896: At Roma Formosus papa defunctus est die sancto pasche, hg. von Friedrich Kurze, MGH SS rer. Germ. [7], 1891, S. 129 [dMGH]) Werdegang: 864: Erhebung zum Bf. des suburbikarischen Bistums Porto durch Papst Nikolaus I. (Invectiva in Romam: Nicolaus consecrauit Formosum ad episcopum sciens eum doctorem egregium, hg. Dümmler, Gesta Berengarii, S. 147) 866: Missionar der Bulgaren (ebd.; Flodoard, De triumphis Christi, MPL 135, Sp. 830 C; Nikolaus I., Epistolae, MPL 119, Sp. 776) 869: Hadrian II. will ihn als päpstlichen Legaten nach Gallien senden 872: Päpstlicher Legat in Trient (MGH LL 1, ed. Georg Heinrich Pertz, 1835, S. 518) 875: Päpstlicher Legat, um Karl dem Kahlen die Kaiserkrone anzubieten (ebd. S. 534) 876: 2 Synoden (19.04. und 30.06.) gegen Formosus (Dümmler, Auxilius, S. 157–159; Brief Johannes VIII., hg. von Erich Caspar, Gerhard Laehr u. a., MGH Epp. 7, S. 326 ff. [dMGH]) 878: Wiederholung des Bannes in Troyes (Dümmler, Auxilius, S. 159–161; Ann. Bert, hg. von Félix Grat, S. 223 ff.) – Formosus hält sich bei Hinkmar von Reims auf (Brief Johannes VIII., hg. von Erich Caspar, Gerhard Laehr u. a., MGH Epp. 7, S. 98 [dMGH]; Auxilius, In defensionem, hg. von Dümmler, Auxilius, S. 63). 883/884: Rückberufung ins Bistum Porto (Vulgarius, De causa Formosiana 1 und 15, hg. Dümmler, Auxilius, S. 120 u. 135; Auxilius, De ordinationibus 27, MPL 129, Sp. 1069; Auxilius, Dialogus 21 f., ebd. Sp. 1091; Vulgarius, De causa et negotio, ebd. Sp. 1104; Invectiva in Romam, hg. Dümmler, Gesta Berengarii, S. 146 ff.) 885: Formosus weiht Stephan VI. (Invectiva in Romam, hg. Dümmler, Gesta Berengarii, S. 139 und 147) 19.09.891: Formosus Wahl zum Papst, ebd. S. 139) 892: Formosus krönt Lambert als Mitkaiser Widos (Chronicon Casauriense, Muratori IIIb, S. 228) 896: Formosus krönt Arnulf ebenfalls zum Kaiser (Ann. Fuld. zu 896, hg. Kurze S. 129 [dMGH]) Habemus papam!Wednesday, 20. April 2005 Ging ja schneller als gedacht: Habemus papam! (pdf). Die ersten Worte (pdf) des neuen Papstes Benedikt XVI. zum Nachlesen.
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